Zapperlot (2018)

  • 22. bis 26.08.2018
  • 250 Kilometer
  • 9.175 Höhenmeter
  • Start & Ziel dieser Alpen-Rundfahrt: Ischgl
Die Tour!

 

Ein Reisebericht von Oliver Gossmann

Als ich vergangenes Jahr damit begann, eine neue mehrtägigen Alpentour zu planen, kramte ich in meinen Erinnerungen der vergangenen Touren. Ich wollte auf „alten“ Wegen unterwegs sein.

Also, machen wir eine Rundtour.

Von Ischgl zur Heidelberger Hütte, über den Fimbapass zur Uinaschlucht, herauf nach Sulden und zur Schaubachhütte. Über das Madritschjoch hinab ins Vinschgau und von dort zurück nach Ischgl.

 

Tag 1

Nach nächtlicher Anreise saßen wir (Marco Rubert, Thomas Rzok, Dietmar Weber, Georg Westphal, Markus Zenßen und ich) im Sessellift, um die erste steile Asphaltrampe zu umgehen. Bei strahlendem Sonnenschein ging es über die Skipisten von Ischgl von der 2300 Meter hoch gelegenen Idalpe auf 2875 Meter zur Greitspitze.

Selbst die Bergfexen unter uns gaben irgendwann auf und schoben die Velos die bis 30 % steilen Wege hoch. Belohnt wurden wir mit einem mehrere Kilometer langen  Singletrail auf dem Grad, der zu beiden Seiten tief abfiel.

 

Hoch die Rampe!
Singletrail!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tag 2

Nach der Übernachtung auf der Heidelberger Hütte auf 2265 Meter, ging es hinauf auf den Fimbapass (2610 Meter). Die Abfahrt in das schweizerische Unterengadin verlangte fahrerische Qualitäten.

Vom Talboden auf 1150 Meter folgte der Aufstieg durch die Uinaschlucht zum Schlinigpass auf 2320 Meter.

Die Uinaschlucht sollte dazu dienen, den aufkeimenden Tourismus anzukurbeln. Man wollte einen Übergang für Wanderer vom Unterengadin nach Südtirol schaffen.

Im Jahr 1908 wurde im Unterengadin damit begonnen, in das Kalkgestein der „Quar Schlucht“ einen circa 1,30m breiten und circa 600 Meter langen Felsenweg zu sprengen. Die Bauarbeiten wurden im Jahr 1910 vollständig abgeschlossen. Die Initiative zum Bau des Felsweges in der Uina Schlucht kam hauptsächlich von der Pforzheimer Sektion des Deutschen Alpenvereins, die im Jahr 1901 ihre Pforzheimer Hütte unweit der heutigen Sesvennahütte fertiggestellt haben.

Hört sich gar nicht so spektakulär an: „Einen Weg in den Fels sprengen“

Aber: Der Weg klebt am Fels. Die Felswand erhebt sich 300 Meter nach oben und fällt 300 Meter tief zum Uinafluss herab.

Da, wo es nicht anders möglich war, sind Galerien in den Fels gesprengt worden.

Der 600 Meter lange Weg durch die Schlucht steigt zudem mit durchschnittlich 10 Prozent an.

 

Am Ausgang der Schucht befindet man sich in einem ausgedehnten Almgebiet. Dieses gehört zur Schweiz, ist aber für das Almvieh nur über Südtirol zu erreichen. So wurde bereits 1608 ein Vertrag geschlossen, dass die Malser Bauern ihr Vieh auf Schweizer Boden weiden lassen können. Der Vertrag gilt noch heute. Bis zum Jahre 2005 mussten die Südtiroler Kühe von einem Schweizer Veterinär untersucht werden, bevor sie das Drehkreuz an der Grenze passieren durften.

 

Hinauf auf den Fimbapass!
Uinaschlucht!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tag 3

Zweite Hütte, zweite Übernachtung: Sesvennahütte (2261 Meter).

 

Von hier ging es ins Vinschgau. Auf den Marktplatz von Glurns treffen wir auf die italienische Kollegen. Der Kollege erzählt, dass Italien jedes Jahr Strafe an die EU zahlt, weil Italien es nicht schafft, seine Polizei zu reformieren. So gehört der Kollege der Polizia Locale an. Irgendwas zwischen Ordnungsamt und Polizei, aber ohne Verkehrsüberwachungsmaßnahmen (das macht die Policia Stradale). Dann gibt es noch die Carabieneri (ursprünglich Militärangehörige zur Mafiabekämpfung) und die Guarda di Financa (so eine Art Zoll).

 

Der folgende Anstieg über 1200 Höhenmetern führt über Asphalt nach Innersulden. Es zieht sich zu, dunkle Regenwolken lassen die erstenTropfen fallen.

Mit der Seilbahn geht es schnell auf die Schaubachhütte (2581 Meter). An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass Marco die steile Strecke mit dem Rad heraufkurbelte (Chapeau !).

 

Der Regen wird stärker, bald liegt die Hütte in den Wolken. Die Temperatur sinkt auf 5 Grad. Die seit Tagen angekündigte Kaltfront ist da. Dramatisch hebt sich die Schaubachhütte vom Hintergrund, dem mit Geröll zugedeckten Gletschern an der Nordseite des Ortlers, ab.

Im Laufe der Nacht soll die Schneefallgrenze auf 2200 Meter fallen, es sind bis zu 10 cm Schnee angesagt.

 

Polizia Locale in Glurns

 

Tag 4

Doch es kommt zum Glück anders. Am nächsten Morgen ist es klar, ein paar letzte Wolken wirbeln aus dem Tal hinauf. Der Aufstieg zum höchsten Punkt der Tour, dem 3120 Meter hohen Madritschjoch, dauert 1 Stunde.

Gespenstisch ist es, wenn die abschmelzenden Gletscher ringsherum Steine freigeben, die mit ihrem Poltern die Stille zerschneiden.

Oben kommt sogar die Sonne heraus.

Die ersten 50 Höhenmeter hinab über loses Gestein sind nicht fahrbar. Danach zieht sich ein traumhafter Trail durch die Hochgebirgslandschaft, das Ziel – die Zufallhütte – im Blick.

Vor der eindrucksvollen Kulisse der Wasserfälle (daher auch der Name Zufall) am Ende der vergletscherten Flanken der umliegenden 3000er  genießen wir die Mittagspause, bevor es durch das Martelltal bis nach Morter herunter geht.

Morter liegt 720 Meter über dem Meeresspiegel, das Madritschjoch somit 2400 Meter höher.

Die folgenden 65 Kilometer überbrücken wir mit Bahn und Bus.

So fahren wir in einem italienischen Linienbus von Italien nach Österreich und weiter über die Schweizer Grenze. Da die Grenze zur Schweiz eine EU-Außengrenze darstellt, gibt es sogar eine Grenzkontrolle. Na ja, nicht so richtig, aber der Schweizer Grenzbeamte schaut in den Bus, lässt seinen geschulten Blick kreisen und kommentiert etwas mitleidig: „Na, habt ihr aufgegeben?“

Von wegen „aufgegeben“. Jetzt geht es auf dem Rad weiter. Und das bei Regen und 10 Grad.

Der letzte Halt vor dem Abschluss der Tour liegt auf österreichischem Boden. An steilen Wiesen klebt die kleinste Gemeinde Österreichs auf 1700 Meter.

Von Spiss geht es am Sonntag weiter.

 

Madritschjoch auf 3.120 üNN
Die ersten 50 Höhenmeter hinab!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tag 5

Erst regnet es leicht, dann kommt Wind auf und in der Höhe wird der Regen zu Schnee. Noch einmal nehmen wir denn Sessellift. Hier oben auf 2750 Meter blieb der Schnee liegen. Ca. 3 – 5 cm bedecken die Wege.

Bei der Abfahrt zur Idalpe kommt die Sonne zum Vorschein und verwandelt den Trail in eine matschige und rutschige Angelegenheit.

Für die Abfahrt nach Ischgl trennen wir uns. Während Dietmar den „Normalweg“ wählt, fahren Marco und Tom über Trails hinab. Georg, Markus und ich finden einen ganz neuen Weg. Auf meinen Vorschlag hin nehmen wir eine Skipiste, die aber gar keine ist, sondern eine Wiese, die im Wald endet. Nach einer einstündigen Odyssee sind wir zurück am Ausgangspunkt und nehmen jetzt die richtige Talabfahrt.

 

Mit dem Lift auf 2.750 üNN
Eine rutschige Abfahrt!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Resümee

Fünf Tage,  drei Länder. Der Trail auf dem Bergrücken oberhalb von Ischgl, die Uinaschlucht, das Madritschjoch (einer der höchsten Punkte der Alpen, den man mit dem MTB bewältigen kann), das mediterrane Vinschgau, Sonne, Regen, Schnee. Die Tour bot einen eindrucksvollen Querschnitt des alpinen Raumes.

 

Für die Zukunft

Für 2020 ist die nächste mehrtägige Tour geplant. Ich habe schon eine Idee:

Entlang des Sentiero della Pace.

 

Die nach Tagen sortierte Bilder-Galerie findet ihr auf den angehefteten Seiten →