Tag 3

Schlappin (CH) – Livigno (I)

„Jetzt rollen wir erstmal nach Klosters. Geht schon!“

Mit diesen Worten startete GoPro das heutige Tagesziel und dementsprechend optimistisch pedalierten wir los. Wir wussten zu diesem Zeitpunkt bereits, dass unser heutiger Höhe(n)punkt auf 2.694 m liegt und den Namen Pass Chaschauna trägt. Das sich aber bereits die ersten 18 km unserer Tour derartig in unsere Oberschenkel brannten, dass das Feuer kaum noch zu kontrollieren war und wir uns kurzentschlossen zu umfassenden Löschmaßnahmen umentscheiden mussten… das ahnten wir zu Beginn unseres lockeren Losrollens noch nicht.

Tatsächlich rollten wir die rund 8 km bis Klosters Dorf ohne auch nur einmal die Beinmuskulatur zu beanspruchen. Immerhin verloren wir auf dieser Strecke rund 470 Höhenmeter auf gut zu fahrenden Asphaltwegen. In Klosters Dorf angekommen wendete sich das Blatt… die nun folgenden 100 Höhenmeter nach Kolsters Platz, die sich auf knapp 1 km Streckenlänge verteilten, sollten nämlich erstmal der Anfang sein. Anders, als bisher von unserem hochalpinen Intervalltraining gewohnt… wo es bergauf geht, da geht’s auch wieder bergab, ging es von nun an nur noch bergauf.

Als wir in Davos Dorf ankamen, hatten wir weitere 400 Höhenmeter in den Beinen und somit auf knapp 10 km Streckenlänge rund 500 Höhenmeter bezwungen. Zwar wurden wir mit dem Ausblick auf den landschaftlich schön gelegenen Davosersee psychisch bekräftigt, aber physisch waren wir erstmal am Ende.

Davosersee
Davosersee

Mit Blick auf die Uhr und den noch bevorstehenden Höhenmetern der regulär geplanten Tour, folgten an dieser Stelle nicht unerhebliche Veränderungen. Kaum zu glauben, aber für die oben beschriebene Strecke mussten wir von unserem Tagesstundenkontingent bereits knapp zweieinhalb Stunden streichen. Es war bereits viertel vor 12, als wir uns dazu entschieden mit dem Postbus den Scalettapass zu umfahren.

Postbus
Postbus

 

Für 45 CHF pro Kopf mit Bike ließen wir uns die nächsten 39 km bis nach Zernez chauffieren.

In Zernez angekommen, hieß es dann erstmal Abschied nehmen von Jake. Während Jake sich von nun an als Solofahrer über gut fahrbare Radwege seinen Weg in Richtung Gardasee suchte, setzten sich GoPro, Tomek, Timo und Kai ins Zügli nach S-chanf.

Das rund 14 km entfernte S-chanf wurde mit seinen 1.660 Höhenmetern zum Startpunkt der nächsten Passerklimmung berufen. Von hier sollten es dann nur noch rund 1.000 Höhenmeter bis zum knapp 12 km entfernten Pass Chaschauna sein.

Im Zügli nach S-chanf
Im Zügli nach S-chanf

Nach einer kurzen Orientierungsfahrt von S-chanf nach Zuoz und wieder zurück, was uns zusätzliche 5 km mit rund 60 Höhenmetern auf unseren Tacho spielte, starteten wir gegen 15:00 Uhr mit unserer Passerklimmung.

 

Durch das Val Trupchun ging es durch eine unbeschreiblich schöne Landschaft Richtung Pass Chaschauna. Das Erlebnis sich inmitten einer endlosen Weite und einer überwältigenden Berglandschaft zu befinden, ließ uns den konditionell Anstrengenden Weg zunächst im Sattel und später mit den Füßen Meter für Meter bewältigen. Auf dem letzten Kilometer erklimmten wir rund 400 Höhenmeter, bevor wir den heutigen Höhepunkt erreichten.

Pass Chaschauna auf 2.694 m
Pass Chaschauna auf 2.694 m

Es folgte eine 9 kilometerlange Trailabfahrt mit 100 Tiefenmetern pro Kilometer Strecke bis vor die Türen Livignos. Über die Via Rin da Rin ging es durch die dortige Einkaufs- und Partyzone zum Etappenziel. Das Hotel Astoria erwartete uns mit zwei schönen Zimmern und einem ausgiebigen Abendessen. Zudem erwähnenswert, wie feudal hier unsere zweirädrigen Gefährten in einem unbeschreiblich gut eingerichteten und ausgestatteten Bike-Keller ihre verdiente Ruhezeit erhielten.

Abzüglich den 100 Höhenmetern, die wir auf der rund 55 kilometerlangen Bus- und Zugfahrt hinter uns ließen, hatten wir letztendlich am dritten Tag auf einer Streckenlänge von rund 50 Kilometer etwa 1.700 Höhenmeter in den Beinen.