Tag 2

Zug (A) – Schlappin (CH)

Sonntag den 11. September 2016 ging es nach einem ausgiebigen Frühstück um 08:00 Uhr weiter in Richtung Schlappiner Joch, ein Gebirgspass auf 2.202 m Höhe, welcher uns aus dem Vorarlberg nach Graubünden in der Schweiß führen sollte.

Doch zunächst ging es auf dem Lechweg weiter bis zum Formariensee im Lechquellengebirge auf 1.793 m. Bei diesem Abschnitt unserer Tagesetappe handelte es sich um einen sehr gut ausgebauten und größten Teils sogar asphaltierten Rad- und Wanderweg, welcher für Anlieger auch mit dem Pkw befahrbar ist. Bereits nach kurzer Zeit nach unserer Abfahrt mussten wir feststellen, dass wir nicht allein waren. Beobachtet von den Einwohnern dieser Alpenregion setzten wir unsere Fahrt fort.

Unter Beobachtung!
Unter Beobachtung!

Vom Formariensee aus ging es auf einer Streckenlänge von knapp 2 km mit rund 140 Höhenmeter zur Freiburger Hütte hoch, wo wir am Fuße der Roten Wand unsere erste Pause einlegten. Bis hierhin hatten wir auch schon wieder 380 Höhenmeter in den Beinen.

Nachdem unsere physische Verfassung mittels Energieriegel und frischem Quellwasser gestärkt war, kämpften wir uns über den Steinbockweg rund 1.100 Tiefenmeter runter bis Dalaas. Und klar… wo es runter geht, da geht es auch wieder hoch. Wie in einem Intervall-Trainingsprogramm folgten direkt wieder auf den nächsten 7 km auf einem alten Säumerweg rund 660 Höhenmeter. Das Ziel war der Kristbergsattel, wo wir in unmittelbarer Nähe der Kristbergbahn unser zweites Päuschen mit alkoholfreien Weizensaft und überbackene Rösti einlegten.

Die folgenden 810 Tiefenmeter segelten wir überwiegend auf Gemeindestraßen runter bis Schruns im Montafon. Ab hier folgten wir den Rafaneggweg, welcher parallel zur Montafoner Straße durch das Montafon führt, bis Galgenul. Hier änderten wir unsere Richtung und fuhren entlang dem Suggadinbach in südwestliche Richtung ins Gargellental. Über die Gargellener Straße gelangten wir nach Gargellen. Seit Schruns hatten wir bis hierhin auch schon wieder exakt 730 Höhenmeter hinter uns. Das war aber erst der Anfang… denn nun kamen wir unserem heutigen Highlight immer näher… das Schlappiner Joch. Wie bereits am Anfang geschrieben, galt es nun von den bereits 1.445 m erreichten Höhenmetern weiter auf rund 2.200 m aufzusteigen.

Kurz hinter Vergalda ging es in eine andere Welt. Wie in einem Land vor unserer Zeit… in sämtliche Himmelsrichtungen war nur noch weite Ferne und rauer Fels zu sehen. Die Waldgrenze längst erreicht, führte uns eine Brücke über den Valzifenzbach in den Routenabschnitt, wo für die nächsten Stunden definitiv nicht mehr an ein Biken zu denken war. Auf einer Streckenlänge von knapp 2 km galt es nun über knappe 360 Höhenmeter mit dem Bike auf den Schultern zu bewerkstelligen.

Ab in die Tragepassage!
Ab in die Tragepassage!

Und dann passierte es doch! Das wechselhafte Wetter im hochalpinen Gebirge zeigte sich von seiner schlimmeren Seite! Die dunklen Wolken bereits schon seit geraumer Zeit im Nacken, holten uns mit Blitz und Donner ein. Dieses Erlebnis auf 2.000 m Höhe lässt einen förmlich beflügeln, sodass Timo und Kai auch ohne RedBull die letzten Meter irgendwie hoch flogen. Angespornt von der Aussicht auf eine alte Zöllnerhütte mit Holzverschlag knapp unterhalb des Sattels, kletterten die Beiden wie vom Teufel gejagt. Letztendlich kam es hier zu einer mehr oder weniger ungewollten Trennung der Gruppe. Während die Höllenhunde Olliver und Tom dem Wetter trotzten und diese Etappe bei Graupel, Blitz und Donner bis ins rettende Schlappin auf der anderen Seite des Sattels durchzogen, barrikadierten sich Jake, Timo und Kai in dem Holzverschlag vor der Zöllnerhütte. Was jetzt die gelungenere Alternative war, lässt sich bis dato nicht eruieren. Während die Nacht in dem Holzverschlag maximal ungemütlich und mit noch weniger Schlaf verbracht wurde…

Gebettet auf Nut- und Federbrettern.
Gebettet auf Nut- und Federbrettern.

…kamen die Höllenhunde nach einer 45-minütigen Abfahrt völlig durchnässt und ausgekühlt im Matratzenlager des Gästehaus Gemsli in Schlappin an. Fest steht jedoch, dass die Beiden den Ausblick vom Sattel des Schlappiner Jochs in die Schweizer Alpen nicht wirklich genießen konnten, wenn man diese waghalsige Abfahrtsgeschwindigkeit berücksichtigt. Für diese Leistung aus sportlicher Sicht… Daumen Hoch 😉

Mit dem Sonnenaufgang am Montag den 12. September 2016 machten sich dann die anderen Drei auf den Weg nach Schlappin zum Gästehaus Gemsli, wo sie bereits von Oliver, Tom, einer heißen Dusche und einem Frühstück erwartet wurden. Die Gruppe war wieder zusammen und die hochalpine Wetterlaune konnte das Projekt Unverzagt 2016 nicht weiter beeinflussen. Bei strahlendem Sonnenschein ging es nach dem Frühstück weiter.

Im Ergebnis wurden auf dieser Etappe zu Fuß und auf dem Bike insgesamt 62,8 km mit 2.860 Höhen- und 2.670 Tiefenmetern zurückgelegt. Die Etappe findet ihr hier:

Inspirationen dieser Etappe findet ihr in der angehefteten Galerie.